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Dieses Jahr ist es genau 70 Jahre her, dass zur Zeit des italienischen Faschismus die Idee des "Filmfestivals" zum ersten Mal in die Praxis umgesetzt wurde. Als Teil der Biennale wurde die Mostra del Cinema 1932 in Venedig gegründet. Und interessanterweise wurden hier in den ersten Jahren immer wieder Filme aus Ländern gezeigt, die den Film als Mittel der Publikumsbeeinflussung auf politischer Ebene einsetzten. Schon 1934, z.B., gab es allein 11 Filme aus der Sovietunion, die dazu auch noch den "Preis der besten nationalen Selektion" erhielten. Göbbels war am Lido ein oft begrüßter Gast und irgendwann im Krieg wurden überhaupt nur noch Filme der "Achse" gezeigt, deutsche und italienische. Nur dass Stalin darin ab 1939 nicht mehr vorkam.
Das Filmfestival ist also, wie die Autobahn und der Volkswagen, eine der wenigen, uns vom Faschismus vererbten, nützlichen Erfindungen, und wie die vorhergehenden hat es sich immer wieder der Zeit angepasst. Zwar ist die Architektur der Festivalgebäude am Lido die gleiche geblieben, mussolinische Imperialstrukturen mit imposanten Marmorsäulen und -treppenaufgängen, bei denen der damalige Diktator seinen "Gerarchen" und "Balillas" vorschrieb, jeweils zwei Stufen auf einmal hochzuspringen. Aber in den Jahren des Neorealismus, des klassischen italienischen Autorenkinos und den Gipfelwerken von Antonioni war die Mostra ("Die Zeigende") Schauplatz aller dem Faschismus entgegenstrebenden Tendenzen, erster wirklicher Welttreffpunkt des fortschrittlichen, sozialorientierten und kunstvollen Kinos. 1968 wurde sie im Sog des Maiumschwungs sogar 5 Jahre lang abgeschafft um dann langsam, zuerst ohne Preisvergabe, zu versuchen, ihre zentrale Position als das bedeutendste Filmfestival der Welt wieder zu erlangen. Leider ohne Erfolg - Cannes hatte in der Zwischenzeit diese Rolle übernommen und hat sie seither nicht wieder aufgegeben. more...
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