Machart über Sinn - Biennale Venedig
Es lebe die Ausnahme! von Gideon Bachann

Geschichten sind eine Form. Meistens werden sie erfunden, um damit einen tieferen Sinn auszudrücken. An diese kleine Weisheit muss man das Kino immer wieder erinnern.

Da das Erzählen heute auf ein solch hochgradiges Arsenal technischer Möglichkeiten zurückgreifen kann, ist die Sache mit dem tieferen Sinn nicht mehr so vordergründig. Es überrumpelt uns oft auch ohne Sinn. Das, jedenfalls, ist der Eindruck, der sich bei Ansicht der großen, internationalen Filme hier in Venedig breit macht.

Dass Moritz de Hadeln in Berlin bei seinem Rausschmiss eher politischen Machenschaften zum Opfer gefallen ist, als einem Mangel an beruflicher Kenntnis, stellt sich sofort bei Einsicht seines hier in nur 3 Monaten zusammengestellten Programms ziemlich klar heraus: dieses Jahr ist in Venedig, wie in alten Zeiten, wirklich viel los. Das amerikanische Kino ist nach 3 mageren Jahren wieder vertreten, die Parade der großen Stars reißt nicht ab (Sofia Loren, na ja, Harrison Ford, Tom Hanks, Salma Hayek, Catherine Deneuve, Gong Li, usw.) -- sogar der deutsche Film ist gleich 3 Mal im Programm, die Sektionen überstürzen einander, in den wenigen venezianischen Sälen ist laufend Hochbetrieb, noch um 2 Uhr früh durchdringt laute, schreckliche Bumsmusik aus unzähligen Fresszelten die ruhigen Strassen des Lido und hält die Moskitos wach, und ich wünsche mir, ich könnte mich auf ähnliche Art an den Musikern rächen. Aber was da an neuem Kino bisher aufgetischt wurde, ist eigentlich nur groß, und bisher, wenn man dummerweise Botschaften sucht, nicht sehr befriedigend. Jedenfalls das Kino aus den großen Kinoländern. more...

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