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Dass Filmfestivals das Entdeckungsalter eigentlich hinter sich haben, ist unter uns Festivaliers eigentlich keine Neuigkeit mehr. Längst ist die Kollusion mit den Herstellern und Verleihern nicht mehr zu leugnen - Woody Allen eröffnet mit dem von diplomatischen Satellitenberatern vorgeschlagenen Diktum, die Franzosen hätten sich in den letzten Wahlen als gute Bürger erwiesen, das Festival, während sein Film am selben Tag schon auf den Champs Elysees läuft - was ist so ein Festivalauf! tritt dann anderes als ein Publicityschub? Was "entdeckt" der "privilegierte" Berichterstatter hier, das sein Kollege in Paris, ohne sich dem Spalier der argwöhnischen Festivalpolizei aussetzen zu müssen, um die Ecke neben seinem Bistro nicht ebensoschnell und mit ebensowenig Überraschung begutachten kann?
Während sich in der Sonne in Cannes die Massen in den wenigen Quadratmetern des Festivalbereiches (300 Meter weiter ist alles vorbei) drängen, seltene Einladungen erheischend und die gegängelten Kritiker sich stolz die Farbe ihrer Akkreditierungen
(rosa geht gerade noch, blau ist für Untermenschen) beschämt ob ihrer Abhängigkeit von filmunkundlichen Administratoren ("Wo ist Ihr Artikel vom vorigen Jahr? Wir wollen nicht wissen, was Sie geschrieben haben, nur dass es erschienen ist...") vor- oder enthalten, sich die tausend Nabel der enghosig bekleideten Filmjungfrauen vorbei an den Schosshunden der lila haargefärbten reichen alten Witwen protzig in die ! Sonne und den Blick der hungrigen Kritiker drängen, werden in den Vorführungssälen leider die Erwartungen erfüllt, die man bei diesem Mediazirkus jedes Jahr nicht anders erlebt: kein Film, der menschliche Probleme darstellt, hört einfach einmal auf, ohne die Probleme zu lösen, nein, ein ersichtlich in der Drehbuchkonferenz fabrizierter Abschluss (damit der Zuschaür beruhigt in den nächsten Schnüsel rennen kann) ergibt ein Ende, im schlimmsten Fall halt mit Schmerzen, aber für den Film und die Moral des Publikums ist der Tod der Liebhabenden besser als das Fortdaürn der Dreiecksbeziehung (MARIE-JO UND IHRE ZWEI LIEBHABER von Robert Güdiguian, Frankreich) oder kommt es nach zweistündigem Gefummel eines Schauspielerpaares mit Plastikpimmeln und Seelenforschung zu einem erlösenden Koitus ("Die Mädchen machen das alle von hinten, da zählt es nicht") -- da kann auch der gewiefteste Virtualerlebende ruhig, das übliche Darüberstehen vortäuschend, nach Hause gehen ! (SEX IS COMEDY von Catherine Breillat, Frankreich, ihr 6. Anspruchsvoller Sexfilm), und sogar der politisch engagierte Alternative der fleissig Liberation liest, kann sicher sein, dass in den Filmen aus Isräl/Palästina, ob von Juden oder Arabern gedreht, die Richtige Meinung vertreten wird - das mit der Geschichte, also dem Gewesenen, den Gründen, den Verstrickungen und den menschlichen Vereinfachungen soll ja nicht mehr für die Gegenwart verantwortlich gemacht werden (KEDMAH von Amos Gitai, Isräl, und RANAS HOCHZEIT von Hany Abu-Assad, Palästina). Kurz - alles wie gehabt.
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